Der Umzug der Bevölkerung

Mehrere beeindruckende Fotografien dokumentieren den Umzug der Menschen und die langsame Überflutung der vormals von ihnen bewohnten Orte.

Sihlsee, 1937. Umplatzierung des Restaurants Rössli, Steinbach. Fotograf: Othmar Baur. © Klosterarchiv Einsiedeln (KAE, foto 1.0903.0012).

Die Brücke von Thusy wird langsam mit Wasser aus dem Greyezersee überflutet. © Musée gruérien Bulle.

Die Brücke von Thusy während der Überflutung. © Musée gruérien Bulle.

Rossens, 8. Mai 1948: Die Brücke von Thusy wird von Wasser bedeckt. Viele Menschen sind anwesend. Das Verschwinden der Brücke vor Augen zu haben, macht den Abschied für die Menschen ausgesprochen schwer:

«Nous nous sommes rendus au vieux pont de Thusy, le revoir une dernière fois, puisque nous avons reçu l’avis de son prochain décès. Tout autour de lui, ses plus fidèles amis défilent et ne peuvent détourner de lui un regard reconnaissant. Des chars, des autos, des piétons veulent encore le franchir une dernière fois et brassent l’eau jusqu’à mi-jambe. Des conseillers d’État se font conduire à son chevet et ce témoignage rendra son agonie plus douce. Le vieux pont submergé de toute part va s’enfoncer lentement dans un éternel sommeil» (P. Barras. In : Gasser et al. 2014, S. 73-74).

Eine Marienstatue befindet sich flussaufwärts der Brücke bei einer Grotte. Sie wird vor der Überflutung versetzt, und befindet sich noch heute im Dorf Avry-devant-Pont.

Salanfe, Häuser verschwinden nach und nach unter dem Wasser. © Fonds EOS, Médiathèque Valais – Martigny (249phE014b070).

Interview mit Marie Mettan (1928, geb. Jacquemoud), mit ihrem Mann und Sohn, Charles und Nicolas Mettan

Die Baustelle für den Staudamm von Salanfe wird 1947 eröffnet. Marie Mettan ist sehr gerührt von ihrer Erinnerung. Sie hat gesehen, wie das Wasser die baufälligen und einfachen Häuser überflutete, in denen sie gelebt hatten. Die Alphütten wurden nicht zerstört, bevor sie geflutet wurden, weshalb es ein bis zwei Jahre dauerte, bis sie komplett unter Wasser standen. Tonaufnahme: Pierrine Saini, 1. Mai 2015, Evionnaz.

Das bald verschwundene Dorf Marmorera und die Stauwerkbaustelle.
Fotograf: Ernst Brunner. © Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde.

Sihlsee: Landwirte in den Trümmern nach den Bombardierungen. Fotograf: Hermann Lienert. © Marlis Schuler, Freienbach (Saurer 2002, S. 107).

Sihlsee, Überflutung des Hauses «Mittelgut» in der Region Schlagen in Egg, 14.9.1937. Zwei Personen schauen aus dem Fenster eines Hauses, das bald zerstört werden soll. © Klosterarchiv Einsiedeln (KAE, foto 1.0903.0004).

Die langsame Überschwemmung des Sihlsee-Gebiets führt – wie auch beim Greyerzersee – zu nostalgischen und melancholischen Gefühlen:

«Ein Sterben ist gegenwärtig in unserem Sihlseegebiet. Eine Wohnstätte um die andere verschwindet. Wehmutsvoll betrachtet man deren Niederreissen. Wenn kahl die Dachrassen durch das Gebiet Ausguck halten, schnürt es einem fast das Herz zusammen. Lebt wohl, alte, traute, gemütliche Wohnstätten, welche noch freien Menschenkindern Brot, wenn auch vielfach ein klägliches verschafften, aber dennoch ein unabhängig Menschendasein boten, wo Liebe die Sorgen verscheuchte.» (Einsiedler Anzeiger 19.3.1937. In : Saurer 2002, S. 85).

Fotoreportagen wie die von Hans Staub oder Othmar Baur beim Sihlsee erinnern auf ergreifende Weise an die Fragen, die sich die BewohnerInnen wohl stellten – was kommt mit? was bleibt? – sowie ihre Gedanken beim Verlassen ihrer Häuser und Felder.

Sihlsee. Fotoreportage von Hans Staub aus dem Jahr 1930

Seit Anfang der 1930er Jahre suchen betroffene Bauern neue Lebensorte. Stühle, Kissen, Truhen, alles muss mit umgezogen werden. Die Bauern packen ihr gesamtes Hab und Gut ein. Manche haben Glück und besitzen ein Auto. Danach richten sie sich auf einem neuen Bauernhof ein. 1937, nach fünf Jahren Baustelle, fängt das Auffüllen des Sees an.

Umsiedlung von Bauern am Sihlsee, 1932/33. © Hans Staub / Fotostiftung Schweiz

Der Sihlsee wird mit Wasser gefüllt. Fotograf: Othmar Baur. © Klosterarchiv Einsiedeln (KAE, Foto 1.0903.0017).

Reportage über den Wägitalersee

Alt-Wäggithal, Umzug der BewohnerInnen in letzter Minute, 01.07.1924. Urheber unbekannt. Quelle: www.waegitalersee.info

Der Wägitalersee wird mit Wasser gefüllt. Quelle: www.waegitalersee.info

Piero Banconi, témoin de l’inondation de la vallée à Vogorno «

Cammino solo verso Vogorno, sulla strada vecchia che domani sarà sott’acqua. Non ci passeranno che le trote, forse un po’ sbalordite. Considero l’acqua impassibile che sale, le nuvole che si specchiano nell’acqua sporca del lago come vi si specchiano le case lontane di Vogorno, quelle che resteranno e quelle destinate a scomparire (Terragni 2010, S. 4). »

Gedicht des Paters Alexander Lozza (1880-1953), Kapuziner, Vikar, Pfarrer und Romanischer Dichter aus Marmorera (Mark 2005, S. 28, Deutsche Übersetzung des Romanischen Gedichts) «

Marmorera verschwindet

Dem grossen Moloch Zürich opferst du
Geschichte, Sprache, Tradition.
Vom Tun und Trachten unserer Alten
nur die Sage, wie von Vieta, bleibt erhalten.

Des Schlosses Wächterin, die alte Arve,
Symbol heroischer Vergangenheit,
erschrocken hob daher die Äste, sich
verzweifelt in die Tiefe stürzend!

(Übersetzung: Ines Gartmann) »

Audiovisuelle Reportage

«Pour permettre la construction du barrage de Schiffenen, sur la Sarine, le hameau de Bonn et ses bains seront engloutis. Exit donc les bains, réputés depuis le Moyen-Age, ainsi que la chapelle et les maisons annexes... En 1963, l'émission Carrefour fait un dernier tour de ce petit monde voué à disparaître. Avec une musique sinistre... Mais il y a de quoi, à voir les visages défaits des derniers habitants: l'ambiance est funèbre.»

L Reportage der RTS über die Stauanlage von Schiffenen (FR) « Sarine, hameau de Bonn englouti », 1963, 2 Min.

Film

Film von Karine Sudan über den Greyezersee (FR) «Histoire d’un lac. À la recherche d’un passé englouti», 1997, 30 Min.

"Sur la Sarine, le pont de Thusy reliait depuis des siècles les villages de Pont-la-Ville et d'Avry-devant-Pont. On l'a vu pour la dernière fois le 8 mai 1948, juste avant qu'il ne disparaisse dans le futur Lac de Gruyère. Aujourd'hui, à 30 mètres au-dessous de la surface, il continue de traverser un monde désert. Grâce aux récits des témoins de cette époque, aux journaux, aux images ramenées par les plongeurs, nous avons tenté de reconstituer ce morceau de paysage englouti et de vous raconter l'aventure du Lac de la Gruyère."

L Film von Karine Sudan über den Greyerzersee (FR) « Histoire d’un lac. À la recherche d’un passé englouti » 1997, 30 Min.

Film

Dokumentarfilm von Gieri Venzin, «Strom für Zürich: ein Requiem für Marmorera», 2009.

L Link zu einem Ausschnitt von "Strom für Zürich: ein Requiem für Marmorera", 1997, 06'21''
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